Dem Hype nachrennen?
Nicht nur in der Welt des Programmierens gibt es eine öffentliche Tendenz, jedem neuen Hype hinterherzurennen und dabei die ewiesenermaßen soliden Fundamente zu vergessen, auf denen diese aufgebaut sind und sie leichten Herzens für tot, sterbend oder überholt zu erklären.
Doch die Realität der Anwendungsentwicklung stellt sich etwas anders dar, was man nicht nur daran sehen kann, dass COBOL in der Finanzwelt immer noch gesund und munter ist, sondern auch z.B. an der Tatsache, dass viele Projekte nach wie vor JDK 1.3 oder 1.4 im Pflichtenheft stehen haben.
Warum? Es funktioniert!
Obwohl es eine weitverbreitete Ansicht ist, dass Programmieren eine Kunstform ist, gibt es doch immer noch die grundlegenden Erfordernisse jedes Kuinden. Eine Anwendung muss funktionieren und sie muss sicher und einfach zu warten sein. Einen Bankier interessiert nicht, ob eine Anwendung die modernsten, pressewirksamsten und kunstvollsten Prinzipien, Frameworks oder Sprachen verwendet, solange die Kosten nicht seinen Bedüfnissen entsprechen und das verdammte Programm nicht so funktioniert, wie es soll. In der Welt der wirklichen Applikationen ist kein Platz für modisches philosophieren oder Selbstverwirklichung durch Code.
Aber die Hypes haben natürlich auch gute Seiten.
A) Zahlen sie die Rechnungen einer ganzen Armee von Computermagazin-Redakteuren, die ihre Seiten mit ihnen füllen und das gleiche machen sie auch für die jeweiligen Advokaten, die Bücher schreiben und Vorträge halten können.
B) Sogar noch wichtiger: Ohne diese Hypes würden viele gute Ideen, die manchmal auch den Weg in das Arsenal des pramatischen Programmierers finden, unbemerkt in der Versenkung verschwinden.
So trägt das Framework oder die Sprache des Monats in gewisser Weise auch zur Evolution der Softwareentwicklung insgesamt bei, obwohl meist mit erheblilcher Zeitverzögerung. Die einzige Sache, die mich wirklich stört ist die gnadenlose Art in der ihre Hohepriester alle anderen Götter außer ihrem momentanen eigenen beiseite wischen und Programmieranfänger in Sackgassen locken, die zu nicht führen als doppelter Arbeit und doppeltem Zeitaufwand.
Ich fände es wirklich besser, wenn die ganze Sache etwas entspannter angegangen würde. Aber wer weiß? Vielleicht würde sie dann auch nicht mehr funktionieren.
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